KHBi5 ausstellungsarchitektur – kunsthalle –  display – schaustücke – schwindel

 

zum architektonischen konzept der 5. biennale – ausstellungsgestaltung

by rasso rottenfusser

dass es eigenwillig ist, das klohäuschen an der großmarkthalle, ist bekannt – dass es ca. 8 qm in fläche und 26 m³ im volumen misst auch. ein fenster, eine tür mit glasscheibe und eine ehemalige sichtschutzwand als raumtrenner – dito – immer einsehbar – sowieso.

gut 60 arbeiten von künstler*innen dort zu zeigen – naja – gar nicht so einfach….

also pragmantisch an die sache rangehen, nachdem mich das klohäuschen und anja uhlig anfragten ein ausstellungskonzept mit ihnen zu entwickeln / vornehmlich die „räume“ zu gestalten – sprich dem klohäuschen ein passendes kleid zu schneidern, dass es zur biennale 50 bis 60 arbeiten und künsterlische positionen zeigen kann, sich selbst aber nicht verliert und nur zu einem banalen „showroom“ für andere wird, denn für sich (genommen) ist es ja schon ein schmuckkasterl, wenn auch der etwas anderen art – klein und fein- da braucht es weder ein korsett noch ein hochgeschlossenes abendkleid, keine selbstdarstellerischen peichl-pickel oder angetrunkene gehry fassaden, um vorhandenes zu überblenden oder vorscheinlich aufzuwerten.(1)
raum für andere, ohne sich selbst zu verleugnen – gehe zurück auf loos, wer braucht die reine dekoration und nimm dir ein beispiel an funktionalen bauten und räumen, die nicht für sich selbst stehen wollen, sondern integrativ und gemeinsam bestehen.(2)

maßgeblich dann, die reduzierung –  konzentrieren – >woran bist du gerade dran?< so die fragestellung der 5. klohäuschenbiennale an die eingeladenen künstler*innen? – aus wiederum pragmatischer sicht ergab sich ein maßstabs-verhältnis 1 zu x.  – mehr aus den verhältnissen – auch dem fliesenformat, welches 12,5 x 25 cm beträgt – spiegeln sich hier die zahlenformate ? – nein – dies ist nachkonstruiert oder zusammenfall;  nach längeren überlegungen und einem hinweis erschien uns ein format  als passend – 2d arbeiten sind nicht zu klein und 3d formate praktikabel- alles immer gerechnet und gesehen von einem standpunkt des betrachters – draussen vor der tür – es (die ausstellungsarchitektur) ist ein schaustück in einem schaustück (dem klohäuschen) in  einem schaustück (das kleid des klohäuschens) und im ersteren der schaustücke sind schaustücke zu sehen, nämlich die künstlerischen arbeiten.(3)(4)
schaustücke können sein: modelle, repräsentanten von zukünftigem, klein in der ausführung, aber an sich vielleicht schon im ganzen gedacht – vorschau – que sera, sera – perhaps – perhaps – perhaps …(5)

khbi 5, laufzeit von 5 wochen, fünf stockwerke liegen nahe – als freund der zahlen und gegebenheiten sind dies die vorlagen/vorgaben und dann taucht es doch wieder auf: das fliesenformat, weil halt 5 x 5 = 25 cm , die einsehbarkeit, der abstand von tür zu wand, die blickwinkel, der lichteinfall, die beleuchtung etc. pp

was ist die 5 und wo kommt sie vor, steht sie für etwas besonderes ?  die 1 ist ego, die 2 führt zur paarung, die 3 steht oft für eine (z.B. göttliche) trinität, die 4 als quadrat, als himmelsrichtungen und jahreszeiten, lebenssäfte, elemente….. die 5…  – > führt zum fünften element – in der umgangssprache zwar nur noch als quintessenz gebräuchlich, ist es doch das „wesentliche“, im sinne von zusätzlichem, aber geistigem hauptargument – in wörtlicher übersetzung, das fünfte seiende….(zu erde, feuer, wasser, luft) (6) – luc besson liegt also nicht so verkehrt in seinem film – und vielleicht sollten wir uns alle mehr in leeloo (das fünfte element) verlieben, wie es uns bruce willis (alias korban dallas) vorführt….die welt wird ja auch dann nicht von korban und seinen möchtegern korbans gerettet – sondern von leeloo selbst – dem fünften element ….(7)

die fünf als sternförmiger geometrischer körper mit unendlich weiterführenden goldenen schnitten, wenn wir die eckpunkte verbinden?  pentagon – das als gebäude / hier nur die aussenecken verbunden, soll ja keiner reinschauen, wo nur einmal ein flugzeug zu landen versuchte? der stern als rotes siegessymbol, weiss auf den tanks der nordamerikanischen? drudenfuß?

fünf ebenen, gegeneinander verschoben, um die ecke laufend, alle gleich in der höhe, etwas verschieden in der tiefe und variabel in der horizontalen. die „stockwerke“ nicht als oben und unten gedacht, sondern an sich wechselbar, wie bei einem paternoster, wäre ein umlauf möglich. es gibt kein level  – alle räume gleich – nix versteckt, durchgängig, aufgeschnitten und offengelegt, sichtbar das baumaterial, die lichtdecken, zum teil versorgungsleitungen – nicht hermetik, sondern hermeneutik. – die maße metrisch (8) abgeleitet von den fliesen und glasbausteinen (schon wieder) des klohäuschens –

raum besteht nicht als cartesianisches konstrukt der geometrie (9), sondern nur in einem kontinuum, mit dem drinnen, draussen und all seinen faktoren, zu denen der ort, die geschichte, die stadt, gehört – die (tages)zeit, der licht(einfall), die passanten und flaneure, die ansteher, deren zeit sich dehnt, die vorbeieilenden, deren zeitpunkt nicht nah genug erscheint und wir kennen kommunikationsräume, bildräume, radiohören bildet räume zwischen unseren ohren ….nicht zu vergessen die bauteile, welche trennen, begrenzen, durchlässig machen, einsicht gewähren, achsen schaffen, vordergründe, hintergründe, perspektiven und bezüge vermitteln – und was wäre das alles ohne material, materialität des ausstellungsraumes und dem klohäuschen, glatt, rau, fliesen, beton, tischlerplatten, wandfarbe, glasbausteine…. wer also von einer möglichen neutralität des raumes spricht – sorry -> ein holzweg. (10/11)

die ausstellungsarchitektur ist quasi aufgeschnitten, denn sie würde geschlossen natürlich keinen sinn ergeben – wir sind zu groß, können uns ja nicht verkleinern und so die biennale en miniature besuchen – in unserer vorstellung könnten wir es, doch tun wir es sowieso, auch wenn hier etwas „verkleinertes“ steht und uns ansieht. die räume können wir erschließen, aufschliessen, wir haben zugang zu den künstlerischen arbeiten und den räumen derer(12). und diese sind nicht ins zweidimensionale übertragene bilder (flachware) oder lineare perspektiven (3 d-räumlichkeiten), sondern wirkliche räume, welche vielleicht nur als halbzeuge (13) daherkommen und wir sie selbst weiterverarbeiten müssen, aber es sind räume in gleichzeitigkeit, (vielleicht wie am 16.juni.1904) (14)  und mit jeder bewegung unseres apparates (z.b. augen als sensoren, hirn als prozessor, arbeitsspeicher etc.) verändern sich diese räume wieder, wie jene in welchen wir uns bewegen – und wenn uns nur ein leichter schwindel (vertigo) (15 -16) befällt, ist schon alles anders; um mit gilles deleuze zu sprechen > nichts ist beunruhigender als die stetige bewegung dessen, was uns unbeweglich erscheint<.

1  gustav peichl, frank gehry – architekten, siehe bundeskunsthalle und bilbao guggenheim museum etc.
2  adolf loos, österreichischer architekt, gilt als einer der wegbereiter der moderne(n) architektur
3  format als teil oder verkleinerung, format auch als sendeformat, code, schlüssel zu etwas
4  zur geschichte von modellen / schaustücke siehe wikipedia
5  doris day (Doris Mary Ann Kappelhoff) als zweifelnde/fragende  – was wird sein, wird sein …?   vielleicht – viel- leicht – viel….leicht ? – in den filmen der 50-ziger und 60-ziger gilt sie als properfrau –
6  quinta essentia – griechisch pémptē ūsίa (πέμπτη οὐσία), aristoteles -> wikipedia
https://www.tobis.de/film/das-fuenfte-element/
8  das metrische system wurde als vereinheitlichung von längen und gewichten ausgeschrieben und während der franz. revolution eingeführt/fortgeführt – der „urmeter“ in paris  wurde als der 10-millionste teil vom pol zum äuqator festgelegt
9  rené descartes gilt als begründer der analytischen geometrie, welche algebra und geometrie zusammenführt – ein ausspruch, der ihm zugeschrieben wird >cogito, ergo sum< – ich denke, also bin ich – gerne hinterfragen…
10  diese gedanken stützen sich auf ein buch von franz xaver baier, der raum, verlag der buchandlung watlther könig, 1996
11 holzweg (üblicher sprachgebrauch) – ein nur in den wald führender weg – zum ausholzen – kein a nach b oder weiterführend zu einem ziel im sinne von ort zu ort – aber ist es nicht auch ergiebig einen holzweg zu nehmen, sich in einem wald zu verlieren?
12  siehe 10, seite …..
13 als halbzeug wird im allgemeinen vormaterial bezeichnet, also vorgefertigtes rohmaterial und werkstücke oder halbfabrikate in einfacher form zur weiterverarbeitung
14  ulysses von james joyce, -> bloomsday
15  vertigo – alfred hitchcock – film von 1958
16  vertigo (lateinisch) – deutsch: schwindel – sich unsicher im raum bewegend – oder beweget sich der raum ?

rasso rottenfusser


lebt und arbeitet in münchen und bei riva del garda
arbeiten waren zuletzt zu sehen in münchen, berlin, bengaluru und bielefeld

www.rasso-rottenfusser.de